gabriella disler

Auszug aus der Eröffnungsrede  'photography4statements'  -> zur Serie' the in between and it's inherent impatience'


...bei der Basler Künstlerin Gabriella Disler, die wir hier im Raum haben, ist das Ausgangsmaterial des fotographischen Werkes die analoge Kamera.
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht scheint, so handelt es sich bei diesen Bildern auch grösstenteils um ein mechanisches Verfahren. Da wo wir die schwarzen flächigen Figuren sehen, wurde von der Künstlerin die Figur aus dem ursprünglichen Farb- oder Schwarzweissbild die Figur fein säuberlich, teilweise mit Hilfe eines Skalpells, ausgeschnitten. Dieses Bild nun nicht mehr vollständige Bild, wurde dann wiederum abgelichtet, so dass diese einstige Leerstelle durch das Schwarz wieder gefüllt wird. So entsteht eine Silhouette, eine Schattenfigur, die nicht mehr so richtig in das Umfeld hineinpassen wird. Einerseits wird der Figur die Individualität genommen, und doch ist sie durch diese grosse Fläche sehr markant, präsent, so dass man sie doch spürt, innehält - und versucht mehr über sie herauszufinden. Die Tatsache, dass das Endprodukt dieser Bilder ausschliesslich in Schwarz/Weiss ist, lässt den Betrachter die Möglichkeit sich dann auch wirklich auf dieses Verhältnis von Figur und Aussenraum zu konzentrieren - was nicht heisst, dass nicht eine unendliche Anzahl von Nuancen zwischen dem Schwarz und dem Weiss zu sehen sind.Auf einmal entsteht eine erstaunliche Intimität zwischen diesen Schatten und einem selbst, und plötzlich meint man der einen oder anderen Figur bereits begegnet zu sein.
Als ich die Werke zum ersten Mal sah, kam mir sogleich die Assoziation mit den 'Nabis', Künstlern aus Anfangs des letzten Jahrhunderts, wie Pierre Bonnard oder Eduard Vuillard, die oft auch 'die intimen Maler' genannt werden. Es waren Kunstschaffende, die nicht den Anspruch erhoben die grosse Welt in ihren Werken zu erfassen sondern sich mit dem nächsten Umfeld auseinander setzten. Sie konzentrierten sich auf das scheinbar Kleine, auf Stimmungsmomente, auf Alltagssituationen. '


Simona Cuccio. Kunsthistorikerin. Zürich 2008