gabriella disler

 

eine zufällige Aufnahme des Raumes oder die Beschaffenheit innerer Sichtbarkeiten


Mein Blick ist geprägt durch die Wahrnehmung, die sich dem öffnet, was normalerweise übersehen wird. In meinen Photographien fokussiere ich das Entdecken der Spuren des Alltäglichen mit seiner eigenen Dynamik zwischen dem ‚Heute-Gestern-Morgen’. Fasziniert vom Aufspüren, Finden und Festhalten von Situationen, Fragmenten und Details folge ich den Rändern des Bekannten und den ’Überbleibseln’, die aus dem System fallen.

Durch die Photographie befrage und erforsche ich Räume, Körper, Gegenstände und Erinnerungen. Ich halte mit der Kamera das scheinbar Unbedeutende des Alltags fest. Die Randzonen, das was sich der flüchtigen Wahrnehmung entzieht und definiere so das Gewöhnliche als abbildungswürdig. Im Wunsch, meine Bildwelt als vielschichtiges Ganzes zu zeigen, verbinde ich nicht nur unterschiedliche Orte, sondern auch unterschiedliche Zeiten miteinander. Meine Arbeiten konzentrieren sich in der Zeitlichkeit auf intuitiv definierte Momente der Flüchtigkeit und der Bewegung.

Die Interventionen (raum- &ortsbezogen) berücksichtigen das Alltägliche, Bekannte und Ephemere genauso wie Sie gleichzeitig Widersprüche und Gegensätze entstehen lassen, ja auch verlangen. Die resultierenden Analogien und Diskrepanzen stehen nebeneinander und das verbindende Element lässt sich oft nicht eindeutig benennen. Die einzelnen Arbeiten wachsen über den Blattrand hinaus und verbinden sich zu möglichen Geschichten, die sich – einmal angedeutet - wieder verflüchtigen. Sie erfordern eine neue Rezeptionsweise, in der die Betrachtenden dem Werk nicht statisch gegenüber stehen, sondern sich im Raum bewegen.

Meine künstlerische Strategie führt dahin, Arbeiten zu schaffen, deren Strukturen der Semantik der Räume folgen und auf weiterführende Zusammenhänge durch die gewählten Bilder und deren Inhalte verweisen.
Es geht mir darum, herauszufinden, was hinter dem realen, für jeden sichtbaren Raum steht; welche imaginäre, emotionale Wirkung der Raum hat, in dem die Bilder sich in neuen Zusammenhängen reiben und sogar die Zwischenräume mit Emotionen aufladen.
Das Ephemere ist Ausdruck des Versuchs, intuitiv Erinnertes als metaphorisches Moment der Vergänglich keit und Zeit an sich, überhaupt darstellen zu können. Dieses Interesse für den Blick, der die Welt streift, sie jedoch nicht in einer Eindeutigkeit festhält, zeigt sich durch ‚Wahrnehmung des Raumes'. Im ‚Dazwischen' verbirgt sich so manches, was nach meiner Ansicht eine neue Sichtweise, und auch Überraschendes entdecken lässt und das ebenso 'Neue Bilder' generieren kann. Dieses 'Dazwischen' ist exakt der Punkt meines Ansatzes und der weiteren Auseinandersetzung mit der ‚Beschaffenheit innerer Sichtbarkeiten' durch die entstehende Nachbarschaft der Bilder.

Mein aktives Eintauchen und Erleben der Umwelt fordert mich ständig auf, neue Inszenierungen entstehen zu lassen: Immer wieder bin ich mittendrin im Geschehen und werde so zum Teil einer Situation. Vom Zweifel nehme ich mich selbst nicht aus. Im Gegenteil: der Zweifel erst erschafft die Spannung, die Ambivalenz, die eine Voraussetzung ist für mein Schaffen.
Meine Intention, Werke zu entwickeln, welche die Auseinandersetzung mit dem situativen Ort- und Raum bezug in den Mittelpunkt stellen, gibt mir für Realitäten und Visionen Raum. Ich möchte das Potential ausschöpfen, das einerseits in der zeitlichen Konzentration liegt - im Finden von neuen, noch Unbekanntem und andererseits in der Verknüpfung von Bild-Ebenen im Raum.



gabriella disler. 2011

















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